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Interview mit Richard Mark Soley (Chairman and CEO OMG)
über das UML 2.0 Zertifizierungsprogramm (OCUP-Program) der OMG
CS: Die OMG führt jetzt mit der
Version 2.0 der UML ein Zertifizierungsprogramm ein. Was ist für die OMG die
Motivation dazu?
RMS:
1997
veränderte die Unified Modeling Language (UML) die IT-Landschaft. Endlich
nach einem zwanzig Jahre währenden langsamen Start, wurde die Modellierung
weltweit von Entwicklern entdeckt. Sie war nicht neu, sie war kein Durchbruch,
aber ihre Benutzer hatten endlich eine standardisierte Modellierungssprache,
anstatt weiterhin Wetten auf viele konkurrierende Sprachen zu setzen. Die
CASE-Revolution der späten 80er kam neben anderen Gründen nicht in Gang, da
es dort viele inkompatible, konkurrierende Sprachen gab.
Mit
der UML 2.0 sind die Fähigkeiten der Sprache nun vervollständigt und besser
integriert. Aber weil die UML 1.x so erfolgreich war, haben wir es jetzt natürlich
mit einem langsamen Umstieg auf den neuen Standard zu tun, obwohl es auch zu
diesem bereits verschiedene Implementierungen auf dem Markt gibt.
Zusätzlich
ist die UML 2.0 der Grundstein der OMG-Initiative zur Model Driven
Architecture (MDA). Die Object Mangement Group, Eigentümerin und Betreuerin
des UML-Standards, nutzt jede Möglichkeit, um den schnellen Umstieg zum neuen
Standard zu unterstützen. Programme zur MDA-Initiative und zum UML
2.0-Umstieg sind MDA-FastStart (http://www.omg.org/faststart/index.htm) und
das OCUP-Programm (OMG-Certified UML Professional Program), ein weltweites
Zertifizierungsprogramm, dass wir mit unserem
Partner, dem UML Technology Institute (UTI) entwickelt haben (http://www.omg.org/uml-certification/index.htm).
CS:
Warum sollte ein
Softwareentwickler OMG Certified UML Professional werden?
RMS:
Alle
bedeutenden Hersteller von Softwareentwicklungsumgebungen haben schon früh
Modellierungsmöglichkeiten in ihre Werkzeuge eingebaut und nach der
Methodenblüte der frühen 90iger dabei auf die UML gesetzt. Während noch vor
10 Jahren die meist benutzte Modellierungsnotation gewöhnlich irgendetwas
„Selbstgestricktes“ war, ist jetzt die UML die Nummer Eins der Sprachen.
Des weiteren bewegen sich gerade alle Werkzeuge in Richtung des neuen UML
2.0-Standards. Dies gilt für die Werkzeuge für Microsoft Windows, Unix- und
Linux-Umgebungen sowie für alle anderen Betriebssysteme, vom mission-critical
Embedded-Real-Time-Systemen bis hin zu Mainframes. Dies betrifft sowohl
kommerzielle als auch Open-Source-Entwicklungen wie Eclipse. Bekannte Personen
aus der Industrie wie Bill Gates und Steve Mills betonen die Wichtigkeit von
der Modellierung für die Softwareentwicklung.
Nun
ist die Zeit gekommen auf dieser Welle mitzureiten, insbesondere da es härter
geworden ist, Jobs zu finden als noch vor ein paar Jahren. Für Entwickler ist
es jetzt die beste Gelegenheit, neue und kritische Fertigkeiten zu erwerben!
Und das OCUP-Programm ist das einzige Zertifizierungsprogramm,
das im Namen der OMG nachweist, dass UML-Kenntnisse wirklich verinnerlicht
wurden.
CS: Es wird mehrere
Zertifizierungsstufen geben. Reicht für einen normalen Softwareentwickler der
die UML anwendet die erste Stufe aus?
RMS:
Im
OCUP-Program werden drei Fertigkeitsstufen angeboten, von Fundamental über
Intermediate bis hin zu Advanced. Wir erwarten selbstverständlich, dass die
größte Zahl der Entwickler ihre Fertigkeiten in der Fundamental Stufe unter
Beweis stellen werden. Diese Zertifizierung ist bereits jetzt schon weltweit
in Japanisch und English möglich. Die nächsten Stufen Intermediate und
Advanced sind für Entwickler eine Möglichkeit zu zeigen, dass sich ihre
Kenntnisse verbessert haben und dass sie für herausfordernde und schwierigere
Aufgaben vorbereitet sind.
CS: Die UML 2.0 ist ja noch nicht
endgültig verabschiedet, es finden noch einige Detailarbeiten statt. Kommen
die Tests nicht zu früh?
RMS:
Ich
möchte nicht in die Details des OMG-Standardisierungsprozesses eingehen, es
reicht wohl wenn ich sage, dass die UML 2.0 zu dem jetzigen Zeitpunkt
technisch komplett ist. Aufgrund der verschiedenen, sich ergänzenden
Einzelbeiträge in dem großen Gesamtprozess zur UML 2.0, sind nun die
entsprechenden Dokumente zusammenzuführen, zu vereinfachen und in eine Linie
zu bringen. Das ist das, was die UML 2.0 Finalization Task Force
der OMG gerade macht. Aber es gibt keine weiteren technischen Beiträge.
Die Sprache (eigentlich ist die UML eine Menge von Sprachen) ist fertig.
Ich
sollte hervorheben, dass sich Entwickler vom Umfang der UML
2.0-Spezifikationen nicht einschüchtern lassen sollten. Sicherlich ist das
Ausmaß der Spezifikation wichtig für Implementierer der Spezifikation (Anm.
der Übersetzerin: gemeint sind z.B. Werkzeug-Hersteller), die Entwickler
(Anm.: die UML-Anwender) nutzen die Spezifikation nicht! Dagegen würde ich
als geeignetere Einführung in die Sprache den Entwicklern eines der vielen
neuen UML 2.0- (und Model Driven Architecture) Bücher empfehlen, die schon größtenteils
verfügbar sind.
Das
OCUP-Entwicklungsteam wurde aus dem UML 2.0 Submission-Team heraus gebildet
und war sehr vorsichtig, um die Entwicklung von Fragen zu begrenzen und die
Stabilität und Richtigkeit der Tests sicherzustellen.
CS: Sind die Zertifikate nur für
eine bestimmte UML Version gültig? Wird es also neue Tests für die UML 2.1
geben?
RMS:
Es
gibt zum derzeitigen Zeitpunkt keine Ankündigungen die sich auf zukünftige
Versionen der UML beziehen. Lassen Sie bei der großartigen Arbeit bleiben,
welche das UML 2.0-Submission-Team geleistet hat: von der UML 1.0 in 1997 bis
hin zur UML 2.0 benötigten wir 6 Jahre und die OMG setzt ihren Schwerpunkt
auf die Stabilität der Spezifikation.
CS: Bei vielen Programmierern beschränkt
sich die Akzeptanz der UML auf wenige einfache Elemente, die UML 2.0 und damit
wahrscheinlich auch die Zertifizierungen ist aber deutlich umfassender. Wie
sind Ihre Erwartungen zur Akzeptanz des Zertifizierungsprogramms?
RMS:
Es
ist sicherlich richtig, dass viele Entwickler die UML nur für einen
speziellen Bereich benutzen, vor allem Klassendiagramme und Use Cases; aber
dies ignoriert die Stärke und die Eleganz der Sprache. Die UML verfügt nun
über sehr mächtige Ausdrucksmittel, um komplexe Geschäftsprozesse und
Zeitabhängigkeiten von Echtzeitsystemen zu definieren. Die UML nur zu
benutzen um hübsche Bilder zu malen ist eine überholte Technik und wir
hoffen, dass OCUP Entwickler und Entwicklungsorganisationen hilft und
beeinflusst, die Stärke von modellgetriebenen Architekturen zu verstehen, um
Systeme zu bauen, die Jahrzehnte und nicht Monate halten.
Wissen
Sie, ich denke oft darüber nach wie wundervoll es wäre, wenn ein Hausbauer
einen Entwurf nehmen könnte, damit eine Maschine füttern würde und am Ende
ein fertiges Haus aus der Maschine herauskäme. Vielleicht wird das eines
Tages möglich sein, aber stattdessen interpretieren Hausbauer heute den
Entwurf, um Häuser zu bauen. Wie auch immer, wir in der Software Industrie
haben die Möglichkeit diese Maschine zu bauen! Wir können Entwürfe
verwenden – UML-Beschreibungen mit all ihren ausdruckstarken Use Cases,
Klassendiagrammen, Aktivitätsdiagrammen, Zustandsmodellen, Zusicherungen,
Aktionsmodellen, Sequenzdiagrammen –
und damit eine Maschine füttern und bekommen das Meiste (und in einigen Fällen
alles) des Softwaresystems entworfen. Diese Stärke zu verschwenden wäre schändlich,
und OCUP wird Entwicklern helfen, diese Vision der Model Driven Architecture
zu realisieren.
CS: Wie läuft die Zertifizierung ab?
RMS:
Die
Tests sind über den weltweiten OMG- und UTI-Testpartner Thomson Prometric
(http://www.2test.com/index.jsp) verfügbar. Ein Überblick des Programms kann
in Englisch über (http://www.omg.org/uml-certification/index.htm) und in
Japanisch über (http://www.umlcert.org/) abgerufen werden. Andere Sprachen
werden in Kürze in 2004 verfügbar sein. Zusätzlich entwickeln sowohl OMG
als auch UTI gerade Testangebote zusammen mit bedeutenden Konferenzen. Die
Premiere im deutschsprachigen Raum hierzu ist die OOP-Konferenz in München
vom 19. – 23.1.2004. Dort werden wir zusammen mit dem Veranstalter
SIGS-DATACOM und dem deutschen UML-Spezialisten oose.de eine
UML-Zertifizierung für die Konferenzteilnehmer anbieten.
Von
den oose.de-Trainern erhalten Sie auf der OOP einen 4-stündigen Crashkurs zur
Prüfungsvorbereitung. Anschließend können Sie vor Ort den Test absolvieren.
Und da ich auf der OOP sein werde, werde ich den ersten Absolventen das
Zertifikat persönlich übergeben!
CS: Wie kann sich ein
Softwareentwickler auf den Test zum OMG Certified UML Professional
vorbereiten? Wer bietet in Deutschland solche Vorbereitungskurse an?
RMS:
Zu
diesem Zeitpunkt gibt es keine gebilligten Trainingsprogramme oder
Organisationen, dennoch rechnen wir mit vielen Trainingsprogrammen, sowohl
bereits existierende als auch neue, die sich in den kommenden Monaten auf die
Tests fokussieren werden. Die Coverage Map, welche beschreibt was von der
Spezifikation verstanden sein muss, ist unter (http://www.omg.org/uml-certification/program.htm)
umrissen. Im OCUP Entwicklungsteam befanden sich erschiedene Buchautoren , Sie
können also mit Büchern rechnen, die ihnen behilflich sein werden, das zu
lernen was wichtig sein wird, um die OCUP-Tests zu bestehen.
Das
Interview führte Claudia Schröder mit Richard Mark Soley (Chairman and CEO
OMG) im Dezember 2003. Es wurde in der
Computerwoche Ausgabe Nr. 1/2004 veröffentlicht. Claudia Schröder arbeitet
als unabhängige IT-Beraterin und koordiniert derzeit das Thema
UML-Zertifizierung im deutschsprachigen Raum.
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